Spanien: Forschungspraktikum in Madrid

Als ich mit dem Master-Studiengang angefangen habe, hatte ich mir fest vorgenommen, meinen Traum von einem Forschungspraktikum im Ausland zu erfüllen. Somit begann ich recht früh mit der Recherche nach einem geeigneten Praktikumsplatz im Ausland. Dabei ging ich in erster Linie nach meinen Interessen und Schwerpunkten im Master-Studiengang. Letztendlich fiel meine Wahl auf Spanien, genauer gesagt auf Madrid. Ich bewarb mich auf Empfehlung eines Dozenten meiner Bachelor-Zeit für die Sección de Neurociencia Cognitiva der Universidad Complutense Madrid (als Teil des Instituts Salud Carlos III). Da ich im Rahmen meines Master-Studiums Module zu Neurowissenschaften und   Elektroenzephalografie belegt hatte und auch die Masterarbeit zu einem verwandten Thema verfassen werde, entschloss ich mich das Praktikum passend dazu auszurichten. Die Forschungsgruppe bei der ich mich beworben hatte, arbeitete demnach zu den  Forschungsthemen, die meinen Interessensschwerpunkten nahe lagen. Ziemlich zeitnah erhielt ich die Zusage von Professor Martín-Loeches aus Madrid.

 

Dann musste nur noch die Planung des Organisatorischen laufen. Bezüglich der spanischen Sprache habe ich einen kurzen Intensivkurs besucht, um meine Schulspanischkenntnisse aufzufrischen. Allerdings lief die Kommunikation mit meiner Partnerinstitution auf Englisch und die Instruktionssprache sollte Englisch sein. Jedoch würde ich jedem, der sich für Spanien entscheidet, dringend empfehlen,  zumindest über einige Grundkenntnisse im Spanischen zu verfügen. Schon zu Beginn meines Praktikums habe ich – sowohl auf der Arbeit als auch im Alltag – erkannt, dass es nicht ausreicht, sich nur auf Englisch verständigen zu können. Ich durfte schon vor Beginn meiner Ankunft mitentscheiden, an welchen vorgeschlagenen Projekten zur Sprachverarbeitung ich mitarbeiten möchte. Zu Beginn des Praktikums musste ich selbstverständlich viele Paper und diverse Fachliteratur lesen (auf Englisch), bis ich dann mit der Modifikation des Skripts für das geplante Experiment voranschreiten durfte. Schon von Beginn an erhielt ich die Möglichkeit besonders selbstständig zu arbeiten und im Laufe der Zeit wurden mir für das Experiment wesentliche Aufgaben aufgetragen. Der Forschungsalltag hat einige stressreichere Phasen und einige entspanntere Perioden. Je nachdem in welcher Phase man sich befindet, variieren auch die Arbeitszeiten, sodass wir zum Beispiel während des Programmierens aber auch bei der EEG-Erhebung bis in den späten Abend bei der Arbeit waren. Zeitgleich durfte ich, auch wenn ich nicht für das Studieren und das Besuchen von universitären Veranstaltungen in Madrid war, eine Vorlesung bezüglich der Neurowissenschaften der Sprache besuchen. Im zweiten Monat meines Aufenthaltes konnten wir auch schon mit der Erhebung beginnen. Die spanischen Muttersprachler wurden gebeten zwei Experimente zur Syntax und Semantik zu bearbeiten. Dabei ging es uns bei der Forschungsfragestellung um den Einfluss von Emotionen auf die Sprachverarbeitung.

 

Die Erhebungsphase umfasste viel Arbeit, da das Anlegen und Nachbereitung des EEGs mit recht viel Aufwand verbunden ist. Nachdem die Haupterhebungsphase abgeschlossen war, ging es weiter mit der Datenauswertung. Vom Programmieren bis hin zur Auswertung konnte ich überaus viel von meinem Praktikum und dem dort gelehrten Wissen und Schulung mitnehmen. Letztendlich durfte ich das Analysieren nach einer Einarbeitung vollständig eigenständig ausführen.

Insgesamt erachte ich mein Praktikum als ziemlich lehrreich. Allerdings wurde wie bei jedem Forschungspraktikum auch vorausgesetzt, dass man eigenständig arbeiten kann und in der Lage ist, sich mit Neuem auseinanderzusetzen und sich eigenständig und eigenverantwortlich in neue Programme einzuarbeiten. Da dies mein Lernziel für mein Pflichtpraktikum war, um mich hierdurch auch auf meine Masterarbeit vorzubereiten, war das für mich erfüllend. Im Laufe der Zeit hat sich auch mein Spanisch wesentlich gebessert, wovon ich im Nachhinein auch profitiert habe. Wenn ich allerdings das Ausmaß des Spanischen im Vergleich zum Englischen im Vorhinein gewusst hätte, hätte ich mich wahrscheinlich rechtzeitig noch um einen zusätzlichen Sprachkurs gekümmert.

 

Dies hätte mir z.B. auch die Teilnahme an den Team-Sitzungen erleichtert, an denen ich teilnehmen durfte und während derer hauptsächlich auf Spanisch gesprochen wurde. Allerdings war das bei meinem Praktikum, bei dem ich in Vollzeit gearbeitet habe, nicht realisierbar, da unter der Woche kaum Zeit für Sprachkurse blieb.

Zum Land und zur Kultur: Für mich war es absolut die richtige Entscheidung nach Spanien zu gehen. Die Menschen sind sehr sympathisch, offen und überaus hilfsbereit.

 

Madrid ist eine sehr schöne Stadt mit vielen historischen Sehenswürdigkeiten und in ihrem Umkreis sind viele beeindruckende kleine Orte, die bequem mit dem Zug oder mit dem Bus erreichbar sind, sodass das historische Interesse und die Neugier auf Madrid und seine Umgebung mit seinen vielen touristischen Attraktionen gestillt werden kann. Abschließend möchte ich betonen, dass sich insgesamt meine Erwartungen an mein Praktikum erfüllt haben und ich sehr positiv von der Arbeit sowie vom Land und den Menschen geprägt wurde. Es war nicht nur eine besonders fachlich lehrreiche Ausbildung, die ich genießen durfte, sondern es war und bleibt  eine besonders unvergessliche Zeit in meinem Leben. Und in diesem Sinne, möchte ich an dieser Stelle meinen ausdrücklichen Dank an das Avicenna Studienwerk aussprechen für die Unterstützung meines Auslandsaufenthaltes.