Indien: Praktikum in Neu-Delhi

Als Land der Extreme und Gegensätze schafft es Indien bei jeder Person unterschiedliche Assoziationen zu erwecken. Einige stellen sich im ersten Moment tanzende Menschen auf Straßen, andere wiederum streunende Kühe in der Nachbarschaft vor. Obwohl beide Punkte zum großen Teil stimmen, muss hinzugefügt werden, dass Indien mitnichten dermaßen beschränkt werden dürfte. Im Rahmen des sechs wöchigen „Global Interaction Program“ an der Mother Divine Public School in Neu-Delhi hatte ich die Möglichkeit als Praktikant in unterschiedlichen Bereichen des Bildungswesens mitzuwirken und den schulischen Alltag mitzugestalten. Dies gab mir unter anderem die Möglichkeit, mich von den klassischen Stereotypen loszulösen und ein eigenes Bild vom Land, der Menschen und ihrer Kultur zu machen.

Mit dem kürzlich erlangten Bachelorgrad im Lehramt wollte ich vor dem Beginn meines Masters in International Education unbedingt internationale Erfahrung im Bildungsbereich sammeln. Da ich ein persönliches Interesse für Internationale Entwicklung habe, schien Indien für mich der richtige Ort zu sein, zumal noch in sehr vielen Gebieten extreme Armut herrscht und ein Großteil der Bevölkerung täglich mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert wird. Obwohl ich wusste, dass die Verhältnisse an einer durchschnittlich privaten Schule wie M. D. P. S. im Vergleich zu sogenannten „Government Schools“, also vollständig staatlichen Schulen, weitaus höher ist, gab es sowohl im unterrichtlichen als auch im außerunterrichtlichen Bereich Verbesserungsbedarf. Der Austausch über die Herausforderungen im Schulalltag anhand interaktiver Methoden mit Lehrer/innen und Schüler/innen, das Unterrichten von mehreren Einheiten in den Fächern Englisch, Geschichte und Sozialkunde in den Klassenstufen 7-10, die Leitung von Workshops über Berufsberatung für Schüler/innen aus der Oberstufe und viele andere interessante Tätigkeitsfelder gehörten in den sechs Wochen zu meinem Alltag in Neu-Delhi und auch in anderen Städten wie Hyderabad, Etawah und Agra.

Eine der interessantesten Erfahrungen war für mich der Austausch mit den Schüler/innen im Schulalltag. Da ich selbst, wie fast alle anderen Menschen aus Deutschland, in einem multikulturellen Umfeld aufgewachsen bin, war das Kennenlernen von Menschen aus anderen Ländern für mich weniger spektakulär wie für die Kinder aus Indien, die vielleicht das erste Mal mit einer Person interagierten, die eine andere Hautfarbe hat oder anders aussieht. Dies hat den Zugang zu den Schüler/innen erleichtert und zu einem Verhältnis geführt, das selbstverständlich nicht mit dem Lehrer-Schüler Verhältnis in Deutschland vergleichbar ist.

Meine Erwartungen an das Praktikum in Indien wurden in den sechs Wochen weit übertroffen und ich habe sehr viel mitgenommen. Neben wichtigen Erkenntnissen im Bereich Bildung, Schule und Jugendarbeit habe ich sehr enge Freundschaften schließen können, die für mich auch in der Zukunft eine große Bedeutung haben werden.

Halil Ibrahim Dogan ist Stipendiat des Avicenna-Studienwerks und studiert International Vocational Education an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.