Ommar Mussa, Medizin, Alumnus

Ommar Mussa, 34 Jahre, studierte Medizin in Köln, Alumnus.

In der Förderung von Oktober 2016 – Juni 2019

„Durch das Stipendium habe ich viel mehr Selbstvertrauen gewonnen. Mit meinem afghanischen Background habe ich leider sehr viel Rassismus in meiner Schulzeit erfahren müssen. Im Studium und durch das Stipendium habe ich ganz neues Potenzial in mir selbst entdeckt.“

Wie bist Du auf das Avicenna-Studienwerk aufmerksam geworden?

Ich habe erst sehr spät mit dem Studium angefangen. Mein Durchschnitt im Abitur war nicht gut genug, um direkt in das Medizinstudium einzusteigen. Außerdem haben stetige Rassismuserfahrungen in der Schulzeit mein Selbstbewusstsein stark angegriffen. Ich dachte, dass ich einfach nicht gut genug sei. Daher habe ich erst meinen Wehrdienst geleistet und dann eine Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger absolviert. Ich habe dann lange im OP gearbeitet und nach sechseinhalb Jahren Wartezeit dann doch mein Medizinstudium begonnen. Mit 28 Jahren und bestandenem Physikum besuchte ich eine Infoveranstaltung des Avicenna-Studienwerkes. Zuerst war ich skeptisch, da ich weiterhin dachte, dass meine Leistungen nicht für ein Stipendium ausreichen würden. Meine Dozentin in Anatomie hat mich aber mit Nachdruck auf die Möglichkeit hingewiesen und zur Bewerbung motiviert. Während der Infoveranstaltung wurde mir außerdem vermittelt, dass bei der Bewerbung das persönliche Umfeld und Herausforderungen ebenso berücksichtigt werden, wie zum Beispiel ehrenamtliches Engagement. Also habe ich eine sehr ehrliche Bewerbung verfasst und auch meine Herausforderungen geschildert. Am Tag des Bewerbungsgespräches in Osnabrück hatte ich am Tag vorher noch Nachtschicht. Zusätzlich war meine Frau zu dem Zeitpunkt hochschwanger. Völlig übermüdet habe ich mich auf den Weg nach Osnabrück begeben. Aber es hat funktioniert, und ich wurde in das Förderprogramm aufgenommen.

Welche Erfahrungen hast du mit dem Studienwerk gemacht?

Neben meinem Studium habe ich die ganze Zeit gearbeitet, um mich und meine hochschwangere Frau zu versorgen. Das bedeutete viele Nachtschichten und tagsüber Uni. Das hat sehr an mir gezehrt und auch die Familie belastet. Die ersten Semester waren auch inhaltlich sehr fordernd und anstrengend, da ich große Defizite in Naturwissenschaften aufholen musste. Durch die Förderung des Avicenna-Studienwerkes ist eine große Sorge weggefallen: Endlich kann ich mich komplett auf mein Studium und meine kleine Familie konzentrieren. Außerdem bleibe ich schuldenfrei – das ist ein Aspekt an den viele Studierende während des Studiums gar nicht denken. Durch das Stipendium habe ich außerdem viel mehr Selbstvertrauen gewonnen. Mit meinem afghanischen Background habe ich leider sehr viel Rassismus in meiner Schulzeit erfahren müssen. Das hat an meinem Selbstbewusstsein gezehrt. Nun haben das erste Mal Dozent:innen an mich geglaubt und mich gefördert. Im Studium und durch das Stipendium habe ich ganz neues Potenzial in mir selbst entdeckt. Auch das ideelle Förderprogramm hat maßgeblich dazu beigetragen. Durch das angebotene Programm habe ich neue Skills erlernt und meinen Horizont erweitert. Außerdem habe ich mit den anderen Stipendiat:innen spannende und inspirierende Menschen kennengelernt. Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrungen.

Welche Pläne hast Du für die Zukunft?

Nach meinem Studium würde ich gerne in der Unfallchirurgie & Orthopädie arbeiten. Dabei kann mir auch meine Berufserfahrung aus der Ausbildung helfen. Generell möchte ich einfach Menschen helfen. Ein guter Freund von mir ist damals jung an Leukämie verstorben. Das war ein prägendes Ereignis für mich und ein Motivator Medizin zu studieren, um kranken Menschen zu helfen, aber auch Menschen in schwierigen Zeiten zur Seite zu stehen.

Für die Zukunft wünsche ich mir darüber hinaus, dass der Anteil von Muslim:innen im akademischen Umfeld steigt und jungen Muslim:innen, die negativen Erfahrungen, die ich sammeln musste, erspart bleiben. Muslim:innen sollten in allen gesellschaftlichen Schichten Normalität sein.

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